Pathologisches Glücksspiel ist eine ernsthafte Erkrankung mit weitreichenden Folgen – für Betroffene ebenso wie für ihr Umfeld. Eine aktuelle Studie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim unter der Leitung von Prof. Dr. Karl Mann liefert nun neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die Ursachen der Glücksspielsucht. Dabei wird deutlich: Neben psychischen und sozialen Faktoren könnten auch genetische Einflüsse eine Rolle spielen.
Wer ist betroffen?
Laut der sogenannten „Baden-Württemberg-Studie“ sind in Deutschland etwa 0,3 bis 0,5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung (bis 64 Jahre) von pathologischem Glücksspiel betroffen. Eine ähnlich große Gruppe weist ein problematisches Spielverhalten auf, das als Vorstufe einer Abhängigkeit betrachtet werden kann.
Häufige Begleiterkrankungen
Die Studie zeigt zudem, dass Spielsucht häufig mit anderen psychischen Erkrankungen einhergeht. Besonders häufig waren zusätzliche Abhängigkeiten wie Nikotin (80 Prozent) oder Alkohol (28 Prozent). Auch Depressionen und Persönlichkeitsstörungen traten bei den Betroffenen deutlich häufiger auf als bei gesunden Kontrollpersonen.
Ein weiterer Risikofaktor: das Einstiegsalter. Wer früh mit dem Glücksspiel beginnt, entwickelt tendenziell schwerere Verläufe der Erkrankung.
Hinweise auf genetische Faktoren
Ein besonders spannender Befund der Studie: Spielsüchtige unterscheiden sich von gesunden Menschen in bestimmten Hirnstrukturen und -funktionen. So fanden die Forschenden heraus, dass pathologische Spieler in bestimmten Bereichen des Frontalhirns über weniger graue Substanz verfügen. Diese Region ist wichtig für die Kontrolle von Impulsen und für die Fähigkeit, aus negativen Erfahrungen zu lernen. Das könnte erklären, warum viele trotz finanzieller oder sozialer Probleme weiterspielen.
Die Ergebnisse deuten zudem darauf hin, dass genetische Einflüsse eine Rolle spielen könnten – auch wenn es laut den Forschenden „nicht den einen Spieler“ gibt, sondern unterschiedliche Subtypen mit individuellen Mustern und Begleiterkrankungen.
Fazit
Die Studie liefert wichtige Hinweise für Prävention, Beratung und Therapie. Sie zeigt: Spielsucht ist eine komplexe Erkrankung, bei der viele Faktoren zusammenspielen – darunter auch biologische. Frühzeitige Aufklärung und passgenaue Hilfsangebote bleiben entscheidend, um Betroffene wirksam zu unterstützen.
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