Die Verführung der permanenten Verfügbarkeit
Sportwetten sind längst im digitalen Alltag angekommen. Durch Smartphones sind sie rund um die Uhr und an jedem Ort verfügbar. Aggressive Werbung, die suggeriert, Sportkompetenz führe unweigerlich zum finanziellen Erfolg, verstärkt den Druck.
Suchtsexperten betonen dabei eine psychologische Falle: Das Gefühl, „fast gewonnen zu haben“, löst im Gehirn oft sogar noch mehr Aufregung aus als ein tatsächlicher Gewinn. Zudem überschätzen viele Spielende ihr eigenes Wissen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch deutlich, dass Sportexperten den Ausgang von Spielen nicht besser vorhersagen können als absolute Laien – am Ende bleibt es ein reines Glücksspiel.
Zahlen und Fakten: Junge Männer besonders gefährdet
Der Glücksspiel-Survey zeigt, wie tief das Phänomen in der Gesellschaft verankert ist:
Mehr als ein Drittel der Bevölkerung zwischen 16 und 70 Jahren hat im vergangenen Jahr um Geld gespielt.
Rund 2,2 Prozent der Menschen in Deutschland weisen eine glücksspielbezogene Störung auf.
Besonders besorgniserregend: Bei Live-Sportwetten ist die Rate der Betroffenen mit einer Störung mit 27 Prozent extrem hoch.
Als am stärksten gefährdet gilt laut dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (Biög) die Gruppe der jungen Männer zwischen 18 und 25 Jahren.
Wann wird das Spiel zur Sucht?
Kritisch wird es, wenn die Einsätze schrittweise steigen müssen, um noch denselben Reiz zu spüren, oder wenn das Wetten den Alltag dominiert. Ein typisches Verhalten bei pathologischem Glücksspiel: Nach Verlusten wird sofort weiterspielsgespielt, um das verlorene Geld „zurückzuholen“ – eine Abwärtsspirale, die fast immer in finanziellen Problemen und psychischer Belastung endet. Auch Familien und Partnerschaften leiden massiv unter der gedanklichen Abwesenheit und den Heimlichkeiten der Betroffenen.
Erste Schritte zum Schutz und bundesweite Hilfe
Neben dem Weg in die Suchtberatung bietet das bundesweite Sperrsystem OASIS eine effektive Möglichkeit zum Selbstschutz. Wer dort registriert ist, wird von legalen Glücksspiel- und Wettanbietern konsequent ausgeschlossen.
Sie merken, dass das Wetten Ihr Leben kontrolliert? Oder Sie machen sich Sorgen um einen Angehörigen? Sie müssen diesen Weg nicht alleine gehen. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es kostenfreie, vertrauliche und auf Wunsch anonymen Suchtberatungsangebote, die auf Glücksspielsucht spezialisiert sind.
Lokale Beratungsangebote in Ihrer Nähe:
Evangelische Suchtkrankenhilfe Mecklenburg-Vorpommern gGmbH
Sucht- und Drogenberatung StralsundWallensteinstraße 7a, 18435 Stralsund
Oliver Mitzkat
Tel.: 03831/390096 oder 03831/311574
E-Mail: o.mitzkat@suchthilfe-mv.de
www.suchthilfe-mv.deSchwerpunktberatungsstelle Glücksspielsucht Neubrandenburg
Caritas Mecklenburg e. V.
Heidmühlenstraße 17, 17033 Neubrandenburg
Jaqueline Sedat
Tel.: 0395/5814551 oder 0395/581450
E-Mail: jaqueline.sedat@caritas-mecklenburg.de
www.caritas-mecklenburg.deSuchtberatungs- und Behandlungsstelle der Volkssolidarität e. V.
Goethestraße 16, 18055 Rostock
Merle Hüttmann
Tel.: 0381/4923441
E-Mail:merle.huettmann@vs-hro.de
www.suchtberatung-rostock.deEvangelische Suchtkrankenhilfe Mecklenburg-Vorpommern gGmbH
Mecklenburgstraße 97
19053 Schwerin
Dr. Detlef Scholz
Tel.:0385 39571918
E-Mail: mediensuchtberatung@suchthilfe-mv.de
https://www.suchthilfe-mv.de/kontakt-schwerpunktberatung-fuer-gluecksspielsucht
Quellenhinweis: Dieser Beitrag basiert auf dem Artikel „Tippen bis zur Sucht: Das Risiko von Sportwetten und wo es Hilfe gibt“ von Karen Miether (epd), erschienen in der Frankfurter Rundschau.